| In einem bürokratisch
durchorganisierten Land kann man natürlich nicht einfach mal
eben 20 Reefballs von bis zu 1,3 m Höhe im Meer versenken,
es gibt eine beachtliche Anzahl an Behörden, die ihr OK geben
müssen, und nicht alle sind sofort überzeugt, dass so
etwas der Umwelt nützt. Es kostete also vorab eine Menge Arbeit,
Argumente und Papierkram, dann war alles klar (verbunden mit weiteren
Kosten für die Genehmigungen und die Pacht eines Stückchen
Meeresbodens).
An dieser Stelle sei vielleicht erwähnt, daß
man so ein künstliches Riff nicht als Anlass sehen sollte,
an anderer Stelle wertvollen, intakten Lebensraum zu zerstören.
Schnell dienen solche Ausgleichsmaßnahmen zur Beruhigung des
Gewissens. In unserem Fall wurde das Riff an einer Stelle platziert,
wo Steinfischer noch in den 60er Jahren Steine zum Erbauen von Hafenanlagen
und befestigungen aus dem Meer gefischt haben. An solchen
Stellen fehlt meist jegliches Hartsubstrat und somit Refugium und
Besiedelungsraum für eine Vielzahl von Meereslebewesen.
Wir hatten uns eine sandig-schlammige, ebene Fläche
in 13 - 14 m Tiefe in der Kieler Außenförde ausgesucht,
wobei es notwendig war, dass der Platz auch von Land aus leicht
erreichbar ist. Wir brauchten einen mit schweren LKW befahrbaren
Bauplatz für die Riffkörper am Wasser, eine gewisse Infrastruktur
(Gabelstapler zum Abladen der Formen, Kran zum Wassern der fertigen
Reefballs, Liegeplatz für das Schleppschiff) und ca. 5 Kubikmeter
Beton mit geeigneter Rezeptur.
Im September endlich war es soweit. Alle Behörden
waren überzeugt, alle Genehmigungen erteilt, die Bundesmarine
(Marineflieger-Geschwader 5 in Kiel-Holtenau) ließ sich für
das Projekt begeistern und stellte den Bauplatz direkt am Wasser
sowie Gabelstapler und Kran zur Verfügung, die Firma Thomas-Beton
spendete das Baumaterial.
Vom Zusammenbauen der Formen bis zum Abschluss
des Projekts hatten wir zwar eine Menge Arbeit, aber auch viel Spaß.
AWARE stellt ein Video und eine Bauanleitung zur Verfügung,
aber dennoch waren immer wieder technische Kreativität und
Werkzeuge wie z. B. ein Druckluftmeißel beim Ausschalen sowie
Hebesäcke mit 500 kg Hebevermögen (ein weiteres Dankeschön
an POSEIDON Tauchprodukte) gefragt. Ferner hatten wir das Problem,
dass vom Bauplatz bis zur Riffposition eine Schleppstrecke von 2
Seemeilen zurückzulegen war, und Reefballs nicht gerade strömungsoptimiert
sind. Ein stabiles Schleppschiff mit ordentlicher Motorisierung
ist da zweckmäßig. Hier also kam unser vereinseigenes
Tauchboot, die Taucher zum Einsatz.
Bereits 10 Tage später können wir sehen,
dass sich der Aufwand gelohnt hat. Die ersten Lebewesen haben sich
in Form von Kleinstorganismen und Jungfischen angesiedelt (der Werbesatz
"Beton ist Leben" kann also stimmen), und wir hoffen,
dass die Reefballs in wenigen Monaten dicht besiedelt sind und ihre
Aufgabe im Ökosystem westliche Ostsee erfüllen.
Wer jetzt Lust hat, auch "vor seiner Haustür"
ein derartiges Riff zu installieren, kann sich an die Mailadresse
aware@padi.ch wenden. Dort erhält
man wie üblich die entsprechenden kompetenten Auskünfte.
Natürlich könnt Ihr Euch auch gerne für
Tipps und Tricks an die Fördetaucher (foerdetaucher@t-online.de)
oder an das Baltic Dive Center (info@balticdivecenter.de)
wenden.
Viel Erfolg bei Euren eigenen Reefballs wünschen
Euch Joachim und Oliver |