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Project AWARE Archiv

  Künstliches Riff mit "Reefballs" in der Ostsee  
 

 

Auf der diesjährigen Messe "BOOT 2001" in Düsseldorf auf dem Stand von PADI war er ausgestellt - ein Reefball.

Da wir, der Tauchverein "Fördetaucher", ohnehin biologisch-dokumentarisch engagiert sind, fanden wir das Konzept sofort faszinierend - so etwas sollte es auch bei uns in der Ostsee geben! Ein Partner für das Projekt war schnell gefunden in Form des Baltic Dive Centers in Kiel, eines PADI 5* Dive Centers, das nur wenige 100 Meter vom geplanten Riff entfernt liegt.

Besonders kostenintensiv ist für ein Divecenter so ein künstliches Riff nicht, denn die Stiftung "Project AWARE" hat einen kompletten Satz von Gießformen gekauft und trägt auch die Speditionskosten für Anlieferung und Abholung. Diese Stiftung ist u. a. im Hai- und Schildkrötenschutz tätig und sorgt für Ankerbojen an vielbetauchten Riffen. Ihr Ziel ist weltweit mit unterschiedlichen Projekten der Schutz und die Erhaltung von marinen und limnischen Lebensräumen, also unseren Tauchgewässern. PADI Europe ist der Hauptsponsor dieser Stiftung, die wirklich gute und erfolgreiche Arbeit macht, deshalb ist es erwünscht, dass der Riffbauer entweder selbst ein PADI-Divecenter betreibt oder mit einem solchen kooperiert.

 
 

In einem bürokratisch durchorganisierten Land kann man natürlich nicht einfach mal eben 20 Reefballs von bis zu 1,3 m Höhe im Meer versenken, es gibt eine beachtliche Anzahl an Behörden, die ihr OK geben müssen, und nicht alle sind sofort überzeugt, dass so etwas der Umwelt nützt. Es kostete also vorab eine Menge Arbeit, Argumente und Papierkram, dann war alles klar (verbunden mit weiteren Kosten für die Genehmigungen und die Pacht eines Stückchen Meeresbodens).

An dieser Stelle sei vielleicht erwähnt, daß man so ein künstliches Riff nicht als Anlass sehen sollte, an anderer Stelle wertvollen, intakten Lebensraum zu zerstören. Schnell dienen solche Ausgleichsmaßnahmen zur Beruhigung des Gewissens. In unserem Fall wurde das Riff an einer Stelle platziert, wo Steinfischer noch in den 60er Jahren Steine zum Erbauen von Hafenanlagen und –befestigungen aus dem Meer gefischt haben. An solchen Stellen fehlt meist jegliches Hartsubstrat und somit Refugium und Besiedelungsraum für eine Vielzahl von Meereslebewesen.

Wir hatten uns eine sandig-schlammige, ebene Fläche in 13 - 14 m Tiefe in der Kieler Außenförde ausgesucht, wobei es notwendig war, dass der Platz auch von Land aus leicht erreichbar ist. Wir brauchten einen mit schweren LKW befahrbaren Bauplatz für die Riffkörper am Wasser, eine gewisse Infrastruktur (Gabelstapler zum Abladen der Formen, Kran zum Wassern der fertigen Reefballs, Liegeplatz für das Schleppschiff) und ca. 5 Kubikmeter Beton mit geeigneter Rezeptur.

Im September endlich war es soweit. Alle Behörden waren überzeugt, alle Genehmigungen erteilt, die Bundesmarine (Marineflieger-Geschwader 5 in Kiel-Holtenau) ließ sich für das Projekt begeistern und stellte den Bauplatz direkt am Wasser sowie Gabelstapler und Kran zur Verfügung, die Firma Thomas-Beton spendete das Baumaterial.

Vom Zusammenbauen der Formen bis zum Abschluss des Projekts hatten wir zwar eine Menge Arbeit, aber auch viel Spaß. AWARE stellt ein Video und eine Bauanleitung zur Verfügung, aber dennoch waren immer wieder technische Kreativität und Werkzeuge wie z. B. ein Druckluftmeißel beim Ausschalen sowie Hebesäcke mit 500 kg Hebevermögen (ein weiteres Dankeschön an POSEIDON Tauchprodukte) gefragt. Ferner hatten wir das Problem, dass vom Bauplatz bis zur Riffposition eine Schleppstrecke von 2 Seemeilen zurückzulegen war, und Reefballs nicht gerade strömungsoptimiert sind. Ein stabiles Schleppschiff mit ordentlicher Motorisierung ist da zweckmäßig. Hier also kam unser vereinseigenes Tauchboot, die „Taucher“ zum Einsatz.

Bereits 10 Tage später können wir sehen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Die ersten Lebewesen haben sich in Form von Kleinstorganismen und Jungfischen angesiedelt (der Werbesatz "Beton ist Leben" kann also stimmen), und wir hoffen, dass die Reefballs in wenigen Monaten dicht besiedelt sind und ihre Aufgabe im Ökosystem „westliche Ostsee“ erfüllen.

Wer jetzt Lust hat, auch "vor seiner Haustür" ein derartiges Riff zu installieren, kann sich an die Mailadresse aware@padi.ch wenden. Dort erhält man wie üblich die entsprechenden kompetenten Auskünfte.

Natürlich könnt Ihr Euch auch gerne für Tipps und Tricks an die „Fördetaucher“ (foerdetaucher@t-online.de) oder an das Baltic Dive Center (info@balticdivecenter.de) wenden.

Viel Erfolg bei Euren eigenen Reefballs wünschen Euch Joachim und Oliver