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TAUCHGEBIETE IN SPANIEN

Text: Andreu Llamas,
Verfasser mehrerer Unterwasserführer, Costa Brava, Balearen. Verlag Geoplaneta

Katalonien:
 Costa Brava

Balearen:
 Mallorca
 Menorca
 Ibiza und Formentera


Acantilado en Sur de Mallorca
«Foto Archivo ZOEA»

Navegando en Mallorca
«Foto Archivo ZOEA»

Einführung
Spanien ist eines der besten Tauchgebiete in ganz Europa. Tausende europäische Touristen kommen Jahr für Jahr an unsere Küsten und erforschen die Meeresgründe vor Ort. Das weite spanische Küstengebiet, das sich sowohl dem Mittelmeer wie auch dem Atlantischen Ozean öffnet, bietet unzählige Möglichkeiten für das Ausüben von Unterwassersport. Nur schwer kann einem bestimmten Gebiet ein Vorrang gegenüber anderen Gebieten eingeräumt werden. Trotzdem gibt es einige Stellen, die besonderen Ruf erlangt haben wie die Kanarischen Inseln, die Costa Brava in Katalonien oder die Balearen.

Katalonien: Costa Brava
Katalonien bietet den Liebhabern des Mittelmeeres über 590 km Küste. Den Unterwassersportler zieht es jedoch ganz besonders an das Küstengebiet in der Provinz Girona, allgemein als Costa Brava bekannt. Dieser Küstenstreifen zeichnet sich durch seine unzugänglichen, steilen Reliefbildungen und die (relativ) geringe Anzahl Strände und Stellen aus, an denen der Segelsportler

Schutz findet. In zahlreichen Ecken und Winkeln reichen Berge und Baumbestand bis an den Rand der Steilküsten und der grobkörnigen Sandstrände.

Die Costa Brava diente als Bühne für die ersten in Spanien durchgeführten Unterwasserausflüge. Ihre Meeresgründe dienten im Laufe von Jahrzehnten der Ausbildung neuer Tauchsportler. Unterwassersteilwände mit herrlichen Gorgonien bedeckt, Wrackteile, Höhlen, in denen die begehrten roten Korallen wachsen sowie zahlreiche andere Attraktionen ziehen tausende Taucher aus ganz Europa (vor allem aus Frankreich und Deutschland) an, die hier mit dem Pkw oder Bus eintreffen. Einen besonderen internationalen Bekanntheitsgrad nehmen unter den gesamten Tauchstellen die herrlichen Meeresgründe der bekannten Medes Inseln sowie der Naturpark am Cap de Creus ein.

Wenn wir einen ersten Eindruck von der Reichhaltigkeit dieser Unterwasserlandschaften erhalten wollen, können wir z.B. folgende Einstiegsstellen aufsuchen: die Punta de Santa Anna, das Mar Menuda, das Kleine Meer, die Höhlen in Port Salvi, das Wrack der Boreas, die Illes Formigues, Els Ullastres, die Llosa der Bucht Nova, die Medes Inseln (Tascons, Vaca Höhle, die Gänge der Meda Petita, die Stellen Carall Bernat, el Medellot, Pedra de Déu und viele andere Einstiegspunkte), das Wrack der Reggio Messina, die Mateua Bucht und die Unterwasserlandschaften des sehenswerten Cap de Creus (Bau de Fora, Vapor Inglés, Massa d’Or, etc.). Wir erkennen also, dass sich an diesem privilegiert ausgestatteten Küstenstreifen von Norden nach Süden hunderte faszinierende Einstiegsmöglichkeiten anbieten.

Pecio de la BahÍa de Mallorca
«Foto Archivo ZOEA»
Die Balearen
Die Balearen sind ein wahres Paradies für alle, denen es das Mittelmeer angetan hat. Die unzähligen Winkel und Plätze vor Ort bieten dem Taucher Höhlen und Gänge unter Wasser, eindrucksvolle Wrackteile, spektakuläre Steilwände, die in Abgründe auslaufen, riesige Posidonienwiesen und einmalige Korallensiedlungen. Das ausserordentlich klare Wasser gestattet ausserdem eine Sichtweite von ca. 50 Meter Tiefe. Was mehr kann man also verlangen?
Die Inselgruppe der Balearen umfasst eine Fläche von 5014 Quadratkilometern und besteht aus fünf Hauptinseln und rund 190 kleinen Inseln oder Felseneilanden, die von der Iberischen Halbinsel durch einen Kanal von 50 bis 110 Meilen Breite getrennt werden. Die Balearen liegen an einem einwandfrei auszumachenden Kreuzpunkt in mehr oder weniger gleicher Entfernung von der Strasse von Gibraltar, den Küsten Frankreichs, der Küste Sardiniens und Nordafrika. Dank ihrer ruhigen, klaren Gewässer handelt es sich hier um eine jener Stellen im Mittelmeer, die für den Tauchsport bestens geeignet sind. Das die Balearen umrandende Gewässer ozeanischer Beschaffenheit zeigt in grossen Tiefen eine tiefblaue Färbung und nimmt je nach Bodenbeschaffenheit an den seichteren Wasserstellen ein Kaleidoskop von Grün- und Türkistönungen an. Auf diesen Inseln gibt es keine bedeutenden Flussläufe, die Ablagerungen mit sich führen könnten, was den Gewässern eine ausserordentliche Transparenz verleiht. Diese Transparenz und der strahlend helle Glanz des Wassers bewirken in den Tiefen ein besonderes Farbenspiel. Die meisten Arten oder Spezies findet man in den ersten 50 Metern Tiefe. Genau genommen kann man in einer Tiefe von 20 bis 30 Metern die meisten im Mittelmeer heimischen Arten ausmachen. In grösseren Tiefen, d. h. zwischen 50 bis 100 Metern, bestehen die Meerböden vor allem aus Sand und Schlamm.
Viele Taucher betrachten September oder sogar Oktober als die geeignete Tauchzeit auf den Balearen, weil dann äusserst gute Meeresbedingungen gegeben sind. In der Zeit zwischen Mai und Oktober wird das Wetter von Antizyklonen bestimmt. Das Windaufkommen ist mit Ausnahme gelegentlicher Regenschauer gering, vor allem in der zweiten Augusthälfte. Zahlreiche Brisen kann man allerdings vor allem im Juli und August feststellen. Der auf dem Meer herrschende Wind kommt am Morgen auf, verstärkt sich bis zum Nachmittag, verschwindet mit einsetzender Dunkelheit und macht des nachts sanften Landbrisen Platz. Besonders ungünstige Bedingungen herrschen im Winter vor, wenn Stürme von mehreren Tagen Dauer angesagt sind. Trotzdem gibt es im Winter auch ruhige Tage, vor allem die berühmten “Windstillen” im Januar, wenn der niedrige Wetterdruck die Luft sauber und klar werden lässt. Die Zeitspannen, die dem Sportsegler die grössten Schwierigkeiten bereiten, treten bei Saisonwechsel auf. An diesen Tagen kann sich das Meer in kürzester Zeit erregen und in Küstennähe starke Wellengänge bilden, die den Segelverkehr auf dem Meer vollkommen unerwartet überraschen können.
Dutzende Sportzentren sind im Laufe der Zeit an den Küsten von Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera entstanden. Wer eine Vorliebe für das Wracktauchen hat, wird sicher Schilderungen über Teile gestrandeter Schiffe gehört haben, die in den Tiefen rund um die Insel Menorca ruhen. Hier befinden sich übrigens auch die berühmten Unterwasserhöhlen. Andererseits muss aber auch die Insel Formentara erwähnt werden, die in jeder Hinsicht idyllisch gelegen ist und den Taucher gleichfalls anzieht. Besonders attraktiv sind die üppigen Posidonienwiesen zwischen den Pitiusas Inseln, deren einwandfreie Beschaffenheit im Mittelmeer nicht ihresgleichen hat. (Hier trifft man zuweilen sogar noch auf Meeresschildkröten.)
Mallorca
Mallorca erstreckt sich über eine Fläche von 3640 Quadratkilometern. Die Küsten der Insel sind mit zahlreichen Stränden, schroffen Steilwänden und einnehmenden Buchten bestückt, die im Sommer als Anlauf- und Schutzstellen für Wasserfahrzeuge willkommen sind. Die Küstengewässer um Mallorca sind im allgemeinen sauber und von gewisser Tiefe. Wasserfahrzeuge können also bei ruhiger See ganz in der Nähe der Steilhänge navigieren. Die Nordküste Mallorcas, dort wo die Sierra de Tramontana das Sagen hat, besteht aus einer Reihe von Buchten und beeindruckenden Steilhängen. Dank des Einflusses der Strömungen des Golfo de León ist dieser Bereich für den Tauchsport besonders interessant. An der Westküste wiederum herrschen Ebenen und sanfte Senkungen vor, die zahlreiche Buchten mit ruhigen, kristallklaren Gewässern zur Folge haben. Das Meer ist im allgemeinen ruhig und zuvorkommend, allerdings müssen beim Ankern in Küstennähe

Centro de buceo en Mallorca
«Foto Archivo ZOEA»
oder in den schmalen Buchten Windschwankungen in Betracht gezogen werden. Auf Mallorca herrschen Tramontana und Embat vor. Der Tramontana fällt mit grosser Kraft vom europäischen Kontinent kommend von Norden ein. Der Embat wiederum, der typische warme Wind von der Balearenküste, taucht vor allem in der Bahía de Palma auf. Er weht gegen Mittag vom Meer her landeinwärts und hat seinen Ursprung in den Temperaturschwankungen zu Land und auf dem Meer, je nach dem sommerlichen Sonnenaufkommen. Der Embat pflegt ganz plötzlich zu entstehen und kann den in Küstennähe kreuzenden Fahrzeugen Schwierigkeiten bereiten, wenn er sie mit “Bruchwellen” in Richtung Land treibt. Der Embat ist Freund und Begleiter der Sonne und beruhigt sich gegen Abend. Des Nachts wiederum kommt der Terralet auf, ein Wind, der vom Land her weht. Er entsteht durch die schnellere Abkühlung zu Land im Vergleich zum Meer. Da es sich hier jedoch um Inseln handelt, braucht der Wassersportler bei einem bestimmten Windaufkommen nur einen im Windschatten liegenden Küstenstreifen aufzusuchen, wo er gute Bedingungen für das Ausüben des Tauchsports finden wird.

Es gibt hunderte von Stellen, die einen guten Einstieg versprechen. Zu erwähnen wären hier u.a. la Cova d’en Geroni, Na Foradada, Sa Cova Blava, Sa Taronja oder Es Morro de Sa Vaca sowie die Tiefen um die Insel Dragonera oder die faszinierende Inselgruppe Cabrera.

Cala en Menorca «Foto Archivo ZOEA»
Menorca
Die zahlreichen Naturmerkmale Menorcas rechtfertigen die Einstufung als Internationales Biosphären-Reservat. Die Küsten der von Winden heimgesuchten Insel Menorca waren Jahrhunderte lang Zufluchtsort von Seefahrern, die sich allerdings nicht immer in Sicherheit bringen konnten. Kein Wunder, dass unter Wasser hunderte von Wrackteilen aus allen Epochen zu finden sind. In den Tiefen konnten zahlreiche archäologische Funde, vor
allem Teile von Amphoren, ausgemacht werden. Aber man stösst gleichermassen auf ausgediente Kanonen, Köder, Anker usw. Es sei daran erinnert, dass die Insel von Phöniziern, Griechen, Karthagern, Arabern sowie von türkischen, französischen und englischen Piraten erobert und heimgesucht wurde.

Andererseits spiegelt die Küste Menorcas das ständigesAufkommen starker Winde sowie Veränderungen des Grundwasserspiegels und des Meeresspiegels während der Eiszeiten wieder. Die Meeresgründe gestalten sich daher aus Felsenriffen, Unterwasserwänden, unzähligen Höhlen, Posidonienwiesen und Landschaften aller Art und Beschaffenheit. Obwohl die Insel neben dem Festlandssockel liegt, d.h. in der Nähe von tiefen Gewässern, reichen die meisten Tauchgänge um Menorca nicht über 30 Meter Tiefe hinaus und finden in Gewässern statt, die im Sommer eine Temperatur von 28º erreichen können. An einigen Stellen der Küste Menorcas bemerkt man das Fehlen gewisser Fischarten. Das beruht einerseits auf der nicht unter Kontrolle befindlichen Handelsfischerei (vor allem mit Schleppnetzen) sowie auf der Hartnäckigkeit, mit der die zahlreichen Unterwasser-Sportfischer gewisse, an dieser Küste beheimateten Arten zu verfolgen pflegen.
Wenn wir die aussergewöhnliche Reichhaltigkeit der Unterwasserwelt um Menorca etwas näher in Augenschein nehmen wollen, können wir z.B. mit einem Besuch folgender Tauchstellen beginnen: Pont d’en Gil, Wrack der Francisquita oder Wrack der Malakoff, die Insel Ses Àligues, die Bonita Höhle, Es Cargol, die Höhlen Catedral und El Campanario oder die ausserordentlichen Meeresgründe rund um die einmalige Illa de l’Aire.
Die Pitiusas Inseln:
Ibiza und Formentera
Die Pitiusas Inseln (Ibiza und Formentera) liegen 45 Semeilen südwestlich von Mallorca, 52 Seemeilen vom Kap San Antonio (in Denia) entfernt und ca. 138 Seemeilen nördlich der Küste Afrikas. Die Insel Ibiza erstreckt sich auf 572 Quadratkilometern und besitzt einschliesslich der anliegenden Inseln einen Durchmesser von 170 km. Formentera andererseits besitzt eine Fläche von 115 Quadratkilometern und eine Höchstlänge von knapp 18 km, ausgehend von Punta de la Xindri bis zum Gavina Turm. Das zwischen Ibiza und Formentera liegende Gebiet namens Freu ist eines der von Wassersportfahrzeugen meistbefahrenen Gebiete der Welt und wurde inzwischen zum Wasserschutzgebiet erklärt. Die auf den Pitiusas vorherrschenden Winde sind der Levante im Winter sowie das aus Süden und Südwesten eintreffende Windaufkommen im Sommer. Der Festlandssockel im Norden Ibizas und im Süden der Insel Formentera zeigt einen äusserst steilen Abfall,

Tunel de Cala Monjo «Foto Archivo ZOEA»
während das Unterwasserprofil im Rest der Pitiusas eine sanfte Neigung aufweist. Dieser Umstand führt zu einer ganz besonderen Anordnung der Fauna. Der S-SW-Teil der Insel Ibiza, vor allem der sandige Streifen, der beide Inseln miteinander verbindet, wird von äusserst bescheidenen Tiefen und Küsten bestimmt, die über kurz oder lang in Sandböden münden. Andererseits weisen die im Osten, Norden und Norwesten Ibizas und im Süden der Insel Formentera liegenden Bereiche Steilhänge und scharf umgrenzte Buchten auf, die schnell bedeutende Höhen erreichen. Nicht selten trifft man auf eindrucksvolle Unterwasserwände, Höhlen, Gänge usw.
Die durchsichtig klaren Gewässer rund um die Pitiusas verhelfen dem Bereich unter Wasser zu strahlend hellem Licht. Das ermöglicht ein vegetatives Leben in weit grösseren Tiefen als in den Gewässern der Iberischen Halbinsel. Die am liebsten im Dunkel lebenden Kolonien weichen daher weiter nach unten aus, während die aus lichtfreundlichen Kolonien bestehenden Gürtel beeindruckende Ausmasse erreichen können. Vorherrschend sind hier ausgedehnte, gut erhaltene Posidonienwiesen, die sich
Costa Brava «Foto Archivo ZOEA»
dank der durchsichtigen Gewässer und des Fehlens jeglicher Unweltverschmutzung bis in Tiefen von 30 oder 40 Metern erstrecken können. In geringeren Tiefen wechseln sich Posidonienflecken mit leuchtenden Flächen aus sauberweissem Sand ab. Es kann hier mit Recht behauptet werden, dass die Pitiusas die besten Posidonienwiesen im ganzen Mittelmeer besitzen, und zwar sowohl hinsichtlich der von ihnen belegten Flächen als auch in Bezug auf ihren Wartungszustand. Man kann aber auch Wiesen einer anderen Pflanzenart, der Cymodocea nodosa ausmachen, die allerdings spärlicher auftreten und auf etwas weicherem Unterboden wachsen. Wenn sich ihr Wurzelnetz mit dem Untergrund verbindet, werden die idealen Vorgaben für das Entstehen von Posidonienwiesen geschaffen. Der Reichtum an Posidonienwiesen beherrscht nicht nur die Unterwasserlandschaft, sondern erstreckt sich gleichermassen an der Küste, was zu riesigen Ansammlungen von Pflanzenresten an den Stränden führt.
Es ist schwer, bestimmten Einstiegstellen gegenüber anderen eine Vorrangstellung einzuräumen. Wir wollen hier jedoch auf folgende Tauchgebiete auf Ibiza hinweisen: la Llosa del Figueral, la Llosa de Santa Eulària, die Lladó Inselchen, Illa Murada, die Höhle der Säulen des Herkules, die Höhle de la Luz, die eindrucksvollen Tiefen rund um die Inseln Ses Margalides, die Untiefe de sa Bota oder die Illes Bledes, abgesehen von vielen anderen Tauchstellen. Auf der Inselgruppe Formentera gibt es ebenfalls zahlreiche Alternativen. Wir nennen hier lediglich el Arco, las Cuevas oder das originelle Tauchgebiet namens La Plataforma.
Sistema de cuevas en Mallorca
«Foto Archivo ZOEA»
07/2002